2000 - 2007 Dresden, Wiederaufbau Dresdner Schloss, Ausbau Münzkabinett und Fassadensanierung Georgenbau

Der Georgenbau als Teil des Dresdner Schlosses wurde 1530 bis 1535 unter Kurfürst Georg als erster Renaissanceprofanbau der Region errichtet. Beim Schloßbrand 1701 wurde der Bau zum größten Teil Opfer der Flammen. Die derzeitige Fassung geht auf den Entwurf der Architekten Dunger&Fröhlich zurück. Sie wurde mit dem großen Schloßumbau um die Jahrhundertwende realisiert. Bei der Zerstörung Dresdens 1945 war auch der Georgenbau stark betroffen. Von 1945 bis 1963 blieb das Gebäude eine notdürftig gesicherte Ruine. In den sechziger Jahren erfolgte eine Instandsetzung des Gebäudes entsprechend den Möglichkeiten der damaligen Zeit.

Als 2002 den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die neuen Räume des Münzkabinetts im 3. und 4. Obergeschoß des Georgenbaues feierlich übergeben wurden, war das Münzkabinett an den Ausgangspunkt seiner fast 500-jährigen Geschichte zurückgekehrt. „Mit dem Umbau des Dachgeschosses im Georgenbau zu einem modernen Studiendepot und der architektonischen Gestaltung der neuen Räume von Direktion, Restaurierungswerkstatt und Spezialbibliothek im dritten Obergeschoß wurde das Architekturbüro Hößelbarth beauftragt. Für die auch international Maßstäbe setzende Neueinrichtung sollte sich die enge Zusammenarbeit zwischen Architekt und Münzkabinett als sehr fruchtbar erweisen. Von vornherein bestand Konsens darüber, daß das Projekt unter sparsamster Verwendung von Haushaltsmitteln so  rationell  wie  möglich  und  optimal für den Nutzer auszuführen sei. Dies bedeutete, daß das vorhandene und noch verwendbare Mobiliar aufgearbeitet und in die Neugestaltung der Räume mit einbezogen wurde.“ (Zitat aus „Das Münzkabinett Dresden im Georgenbau des Dresdener Schlosses“ Beitrag von Dr. Paul Arnold in den Dresdener Kunstblättern, Heft 04/2003).

Die Einrichtung der Restaurierungswerkstatt wurde komplett umgesetzt und lediglich um einige noch fehlende Geräte, Maschinen und Labormöbel ergänzt, so daß sie jetzt allen Anforderungen gerecht werden kann. Für Sekretariat und Direktorenzimmer, den beiden für die äußere Darstellung des Museums wichtigsten Räumen, wurde eine einfache und sachliche Neumöblierung entworfen und realisiert.

Die der Öffentlichkeit zugängliche numismatische Spezialbibliothek ist in drei zusammenhängenden Räumen untergebracht. Im nordwestlich gelegenen Raum befinden sich der Arbeitsplatz der Bibliothekarin und fünf Besucherplätze. Ein Lift verbindet diesen Raum mit dem darüberliegenden Studiendepot. Im mittleren, fensterlosen Bibliotheksraum befindet sich das eigentliche Magazin. Der letzte Raum wird für Seminare, Vorträge und kleinere Versammlungen genutzt.

Das vierte Obergeschoß des Georgenbaues mit seinemimposanten Dachstuhl wurde für das hier als „Raum im Raum“ eingerichtete Studiendepot völlig neu geplant. Die farbige Gestaltung der alten eisernen Dachkonstruktion, der beiden Zugangsbereiche und der neuen Münz- und Medaillenschränke verbreiten eine freundliche Arbeitsatmosphäre.

Äußeres Zeichen für den Ausbau des vierten Obergeschosses ist der wiedererrichtete Neorenaissancegiebel zum Stallhof. Dieser 1900 entstandene Giebel wurde am 13. Februar 1945 vollständig zerstört und beim Wiederaufbau 1964 bis 1967 nicht mit errichtet. Der Giebel wurde anhand von historischen Fotos rekonstruiert und die Bildhauerteile im Modell 1:1 neu entwickelt.

Darüberhinaus wurde die Entscheidungsunterlage (LPH 2) für den weiteren Ausbau des ersten und zweiten Obergeschosses für museale Zwecke erarbeitet.

2007 wurde die Sanierung der Sandsteinfassaden des Georgenbaus, bestehend aus Postaer und Reinhardtsdorfer Sandstein, abgeschlossen. Die Fassaden wiesen infolge der begrenzten technischen Möglichkeiten bei der Sanierung in den 1960er Jahren große Schäden auf, was grundsätzlich auf den nicht ausreichenden oder falschen Schutz der Sandsteinelemente durch nicht funktionierende Abdichtungen zurückzuführen ist. Das hatte starke Krustenbildung und Salzausblühungen der darunterliegenden Bauteile zur Folge. Die Vorstoßbleche der Abdeckungen waren verrostet bzw. nicht mehr vorhanden. Die Fassaden besaßen sehr schmale Fugen (bis 3mm), die zudem stellenweise mit einem sehr harten Mörtel ausgegossen waren, so daß es zu Abplatzungen bei Wärmespannungen gekommen war. Der zum Wiederaufbau verwendete Reinhardtsdorfer Sandstein besitzt zudem kein homogenes Gefüge. Vor allem in Sockelbereichen und an Stellen wo keine Austrocknung des Steines nach Niederschlägen erfolgen kann, führte das zur Zerstörung der Steinstruktur.

Ziel der Sanierungsmaßnahmen war die Wiederherstellung des Anfang des 20. Jahrhunderts bestehenden Zustandes des Neorenaissancegiebels zum Stallhof und der Sandsteinfassaden zur Schloßstraße, zur Kathedrale und zum Schloßplatz einschließlich der Fassadenplastik, bestehend aus Karyatiden, Fensterbekrönung, Erkerreliefs, Postamentfüllungen und Balkonbrüstungen. Diese sehr anspruchsvolle Aufgabe beinhaltete bei Beachtung der entsprechenden denkmalpflegerischen Forderungen sowohl die Reparatur der Abdeckungen für Fenstersimse und Balkonbrüstungen als auch die Wiederherstellung des Anfang des 20. Jahrhunderts bestehenden architektonischen Gesamteindruckes. Es erfolgte daher eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Die plastischen Fassadenelemente wurden anhand von Fotos wiederhergestellt, da bei der Sanierung in den 1960er Jahren auf den Fassadenschmuck verzichtet wurde. Der Prozeß von der Modellentwicklung bis zur Realisierung in Stein beim Bildhauer wurde ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege realisiert.

Arbeitsplatz im Studien-
depot Dachgeschoß …
Eiserne Dachkonstruktion
aus dem 19. Jahrhundert …
Neue, für das
Münzkabinett entworfene
Sammlungsschränke …
Tablettschub eines
Münzschrankes …
Repräsentative
Neorenaissancefassade des
Georgenbaus um 1900 …
Zustand der Fassade in den
1960er Jahren ohne plastischen
Fassadenschmuck …
Wiederhergestellte
Neorenaissancefassade mit
Fassadenschmuck …
Wiederhergestellte Fassadendetails:
Karyatiden, Balkonbrüstung und
Fensterbekrönung …
Wiedererrichteter
Neorenaissancegiebel
zum Stallhof …