2002 - 2007 Graditz, Sächsisches Haupt- gestüt Graditz, Umbau und Sanierung Schlossgebäude und Torhaus

Das Sächsische Hauptgestüt Graditz besteht aus dem barocken Schloß und dem klassizistischen Torhaus, den Stallanlagen aus preußischer Zeit, Sommerställen, Freilaufflächen, Reithalle, Wirtschafts- sowie Verwaltungsgebäuden.

Bei dem Sanierungsvorhaben handelte es sich um das im 18. Jahrhundert errichtete Schloß und das Torhaus, das um 1800 entstand und die bis dahin nach Westen offene dreiflügelige Hofanlage abschloß. Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Das als Lehrlingswohnheim, Wohnung für Bedienstete und Umkleide- und Versorgungsraum für Angestellte genutzte Schloßgebäude und das für Lagerzwecke genutzte Torhaus erfüllten die baulichen Voraussetzungen für heutige Nutzungen nicht mehr. Die Gebäude befanden sich in einem äußerst gefährdeten Zustand. Insbesondere die Dachkonstruktionen wiesen große Schäden auf. Restauratorische und technische Befunduntersuchungen zeigten jedoch noch weitgehend erhaltene Originalsubstanz. Sie waren die Voraussetzung für die Wiederverwendung originaler Bauteile. Die Sanierung erfolgte bei laufendem Betrieb.

Das Schloß sollte bei der Sanierung um weitere Nutzungsbereiche erweitert werden. Die prinzipielle Grundrißstruktur mit der Eingangshalle im Mittelteil und den durch das Gebäude verlaufenden Fluren in die Flügel wurde erhalten. Besondere Beachtung wurde der Wiederherstellung der Raumfolge Eingangshalle, Treppenhaus und Festsaal als Höhepunkt geschenkt. Der Fußboden der Eingangshalle ist mit Sandsteinplatten ausgelegt. Die Treppenläufe wurden in barocker Manier mit geschwungenen Sandsteinblockstufen in typischer Profilierung belegt. Das originale Treppengeländer verblieb am Ort. Die Farbgebung der Eingangshalle und der Treppe in Rosa stimmt auf den Festsaal ein. Der repräsentative Festsaal kann nun für Empfänge und eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen genutzt werden. Der daran anschließende kleine Saal läßt intimere Nutzungen zu. Erforderliche, zeitgemäß gestaltete Ausbauten und technische Installationen wurden zurückhaltend platziert. Garderobe und behindertengerechte Toiletten sind an zentralen Stellen eingeordnet und dem Charakter des Schlosses entsprechend modern ergänzt. Abtrennungen, Brandwände und Rettungswege konnten in den gesetzlich festgelegten Qualitäten hergestellt werden. Der Nordflügel erhielt ein neues Treppenhaus. Im Südflügel wurde ein weiteres Treppenhaus mit Personenaufzug realisiert. Damit ist der barrierefreie Zugang sowohl in die Verwaltung und die Wohnungen als auch in den Festsaal möglich. Die erforderliche Haustechnik findet im Dachraum Platz. Notwendige Lüftungsöffnungen wurden unsichtbar in die wieder hergestellten Firstreiter integriert. Besondere Bedeutung hatte neben der inneren Sanierung die Wiederherstellung der barocken Fassadengestaltung, wobei behutsame Anpassungen an die neue Nutzungvorgenommen wurden. Das Landesamt für Denkmalpflege forderte auch die Wiederherstellung der barocken Dachlandschaft mit allen Gauben und Schornsteinen. Entsprechend denkmalpflegerischer Forderungen gelangten Kreuzstockfenster zum Einsatz, die in ihrer Gliederung und Farbgebung dem historischen Vorbild folgen. Das originale historische Außentor der Halle und die originale historische Innentür des Festsaales wurden ebenfalls aufgearbeitet und mit einem Ölanstrich versehen.

Der symmetrische Baukörper des Torhauses wird beidseitig von niedrigeren Seitengebäuden flankiert. Die Erscheinung des eingeschossigen Baues wird maßgeblich von der mittigen Wagendurchfahrt, dem hohen Walmdach und dem Zwerchgiebel auf der Straßenseite bestimmt. Der klassizistischen Gestaltungsidee werden der Zwerchgiebel und die Putzquaderung gerecht. Gleichzeitig ist die Gestaltung aber noch den Formen des ausgehenden Barocks verpflichtet. Das wird besonders bei der Detailausbildung der Gauben, des Zwerchgiebels und der Fenstergewände deutlich. Bei der Fassadensanierung wurden alle Putzarbeiten mit einem zweilagigen Kalk-Zementputz ausgeführt, sämtliche Wandflächen erhielten einen diffusionsoffenen Farbanstrich. Die Fassade, bis 2007 einheitlich in Ocker gestrichen, zeigt sich nach der Sanierung wieder in originaler Farbgebung.

weiterführend:

www.torgau.de/stadt/dI13/graditz.htm

www.lap-consult.com

www.ibkrauss.de

Fassadenplan für das
Schloßgebäude, Parkseite …
Fassadenplan für das
Schloßgebäude, Parkseite …
Blick vom Hof durch die Halle
in den Park …
Barockes Haupttreppenhaus
im Schloßgebäude …
Festsaal im Obergeschoß des
Schloßgebäudes, Wandfassung
aus dem 18. Jahrhundert …
Festsaal im Obergeschoß
des Schloßgebäudes mit
Kamin …
Ansicht des Schloßgebäudes
von der Parkseite …
Historisches Wappen
auf der Parkseite …
Festliche Stimmung
im Schloßgebäude …
Farbentwurf der Außenfassade
für das Torhaus auf der
Grundlage restauratorischer …
Wiederhergestellte Fassade
des Torhauses in der
Farbfassung der Erbauungszeit …
Kutschenmuseum im Erdgeschoß
des Torhauses …